Männer, die auf Twitter starren

Kaum jemand macht mit, aber alle reden drüber - Twitter ist in Deutschland immer noch ein Nischen-Netzwerk. Warum in deutschen Medien trotzdem so getan wird, als sei das magere Getwittere ein Massenphänomen.

 

Eines finde ich bei der Betrachtung von „Facebook und Twitter“ ja spannend – wenn in deutschen Medien über Soziale Medien berichtet wird, werden die beiden Netzwerke immer in einem Atemzug genannt.

 

So, als hätten „Facebook und Twitter“ hierzulande eine ähnliche Reichweite, eine gleichwertige Relevanz für die Social-Media-Gemeinde. Dann guckt man mal auf die Zahlen und stellt fest: Kaum jemand in Deutschland twittert. 

 

Die Nutzung der Kurznachrichten ist - anders als zum Beispiel in den USA und vielen anderen Ländern - nie beim deutschen Durchschnitts-Nutzer angekommen. Und trotzdem heißt es weiter in deutschen Zeitungen, Online-Magazinen und TV-Sendungen: "Bei Facebook UND Twitter." 

  

Schon mal nen Tweet gesehen? Verhaftet!

  

Im März 2016 hatte Twitter hierzulande erstmals Zahlen veröffentlicht und dabei von „zwölf Millionen Nutzern in Deutschland“ gesprochen. Bei genauer Betrachtung offenbarte sich, dass damit auch gleich alle als Nutzer mitverhaftet wurden, die schon mal einen Tweet zu Gesicht bekommen hatten – also auch alle User, die lediglich mal bei Twitter reinklicken, ohne einen Account zu haben, geschweige denn, selbst aktiv zu posten.

  

Zwischen 0,5 und vier Millionen

  

Die jüngste ARD/ZDF-Onlinestudie geht von vier Millionen Nutzern aus, dabei seien mehr Männer als Frauen bei Twitter aktiv. In Social-Media-Kreisen schätzt man die tatsächlich aktiven Twitter-Nutzer auf zwei Millionen, und ganz ehrlich - viele schätzen die Zahl der Menschen, die in Deutschland aktiv twittern, auf eher 0,5 Millionen. Zum Vergleich: Aktiv bei Facebook sind hierzulande rund 27 Millionen Nutzer.

  

Ich twittere, also ist Twitter wichtig!

 

Warum also berichten deutsche Medien über Twitter, als handele es sich um ein regelrechtes Massenphänomen? Zum einen: Weil die Journalisten selber dieses Social Network so unfassbar gerne nutzen. Die Twitter-Zielgruppe ist sehr eng, aber sehr aktiv und sehr medienaffin. Mantra: Ich twittere, also ist Twitter wichtig – und schon rutscht die Medien-Brille in eine Schieflage: Das Netzwerk wird relevanter wahrgenommen, als es tatsächlich ist.

 

Kurz und ironisch - dich zitier' ich!

  

Zum anderen: Tweets lassen sich in der Twitter-Struktur und wegen der Hashtags besser auffinden, bündeln und auswerten als Facebook-Postings. Die Zeichenbegrenzung zwingt die Nutzer (noch), kurz und auf den Punkt zu texten - knackige, prägnante Aussagen lassen sich in Zeitungs- und Onlineartikeln, TV-Sendungen und Radiobeiträgen wesentlich besser zitieren als ewig langes Facebook-Gejaller. Hinzu kommt, dass die Tonalität bei Twitter gern ein bisschen ironisch ist – bestes Zitat-Material also.

 

Brancheninterne Nabelschau

  

Es twittern in Deutschland hauptsächlich Medien-Menschen und Promis (Politiker, Unterhaltungs-Stars, Sportler). Rezipiert wird das ironisch-knackige Getwittere hauptsächlich von anderen Medien-Menschen und anderen Promis. Und damit der Rest der Bevölkerung auch was davon hat, berichten Medien-Menschen dann gern über die brancheninterne Nabelschau.

 

So weit, so verständlich. Doof ist es nur dann, wenn ein paar Tweets von ein paar Medien-Menschen und Promis zur allgemeinen Volksmeinung hochgejazzt werden. Denn das geben die Zahlen nun wirklich nicht her.  

 

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Kommentare: 3
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