Du findest Smileys albern? Dann lies DAS hier!

*Zwinker-Smiley*, *Bussi*, *Herzchen* - ja, Emojis können ziemlich albern aussehen. Für einen vollständigeren Informationstransfer in der modernen Kommunikationsgesellschaft haben sie trotzdem ihren Wert. 

 

 

Kürzlich habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir hatten uns ganz oldschool verabredet, also mit einem einzigen Telefonat, anstatt 80mal hin- und herzuwhatsappen, wer wann kann und wo man sich treffen könnte. Das ging erstaunlich gut. Telefonieren verlernt man offenbar nicht, das ist wie Fahrradfahren. 

 

Weil wir beide eher zuverlässige Zeitgenossinnen sind, schlenderte ich schon zehn Minuten vor der Zeit zum Café, bestellte einen Cappuccino und scrollte ein wenig auf dem Smartphone herum.

 

 

Fünf Minuten vor der Verabredung kam eine WhatsApp von der Freundin:

 

Bahn kommt nicht. Verspäte mich 10 min

*Verärgertes Smiley* *Rennendes Männchen* *Zwinker-Smiley*  

 

Ich las gerade einen überaus interessanten Artikel über irgendeine ‚Game of Thrones‘-Verschwörungstheorie, whatsappte zurück:

 

ok

 

und wandte mich nichtsahnend wieder Cappuccino und Smartphone zu.

 

Kurz danach kam die Freundin herangehetzt und entschuldigte sich übertrieben wortreich. Es sei nicht ihre Schuld, die Bahn, du weißt doch, da ist doch eine Baustelle auf der Strecke, und überhaupt, zehn Minuten, warum ich denn jetzt so sauer sei?

 

Ich fragte völlig überrascht, wie sie denn auf die Idee komme, dass ich sauer sei?

 

„Weil du so knapp zurückgeschrieben hast. GANZ OHNE SMILEY!!!

 

Ja, so weit ist es schon. Aus der Kommunikationstheorie weiß man: Wer mit einem anderen kommuniziert, transportiert 90 Prozent der Informationen via Gestik, Mimik, Tonfall, Verhalten. Und nur 10 Prozent über die Sach-Information, den tatsächlich gesprochenen Text. 

 

Hier kommen die Smileys ins Spiel: Jede Kommunikation ohne Gestik, Mimik, Tonfall, Verhalten wird als unvollständige Kommunikation aufgefasst. Da fehlt was! Unsere moderne Digital-Gesellschaft hat uns Krücken für eine etwas vollständigere Text-Kommunikation geschenkt – Emoticon und Emoji.

  

Auch, wenn viele die Bildchen albern finden – man möge bedenken, dass wir damit Aussagen konkretisieren können. Ja, die Bilder transportieren Emotionen (wie der Name schon sagt) und helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

  

Das klappt allerdings nur dann, wenn man ein gemeinsames Verständnis zur emotionalen Aussage des jeweiligen Smileys hat – und wenn die Dinger auf allen Geräten halbwegs das gleiche zeigen. So habe ich letzte Woche erst festgestellt, dass ein von mir oft verwendetes Smiley überhaupt nicht die Bedeutung hat, in der ich es immer gepostet habe. Auf meinem iPhone sieht das Ding aus wie ein angestrengtes Gesicht mit zusammengebissenen Zähnen. So hab ich’s auch verwendet: bei ärgerlichen Situationen, in denen ich mich jetzt durchbeißen muss. Doch auf Android-Geräten grinst das Biest einfach nur dümmlich.  

  

Man bemerke hier schon den Unterschied:

  

Ich muss heute die Steuer machen

*Zusammengebissene Zähne*

  

Versus

  

Ich muss heute die Steuer machen

*Breites Grinsen*

  

Meine Android-Freunde müssen ja denken, ich habe sie nicht mehr alle.

  

Ich vermute, es wird nicht lange dauern, bis die Emojis auf allen Geräten zumindest halbwegs angepasst sind und wir alle gelernt haben, welches Smiley welche Emotion zeigt. Ob man Smiley & Co jetzt als albern empfindet oder nicht – sie sind in Zeiten von vornehmlich digitaler Kommunikation immerhin eine Gehhilfe. Nicht mehr und nicht weniger.

  

Und ich lerne ja auch dazu. Mein Mann whatsappte gerade:

 

 Ich bring Brot mit

 

 Ich:

  

ok

*Herzchen* *Bussi-Smiley* *Thumbs Up* *Sonnenbrillen-Smiley*

 

 Mein Mann schickte mir daraufhin einen Pudel zurück. 

 

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